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Das Wesen und die
Entstehungsgeschichte der American Staffordshire Terrier
Rassengeschichte:
Der American Staffordshire Terrier (sowie der Staffordshire Bull
Terrier) sind beide Nachfahren der Bull-and-Terrier-Schläge, welche zu
Beginn des 19. Jahrhunderts in den englischen Midlands, vornehmlich im
Black Country um Stafford für verschiedenste Arten von «blood sports»
gezüchtet wurden.
Die Züchter definierten ihr Zuchtziel ganz klar. Sie suchten nach einem
extrem mutigen Hund, hartnäckig, ausdauernd, scharf, schnell und
intelligent. Sie fanden ihren Wunschhund in der Nachzucht aus
Verpaarungen von Bulldog und Terrier. Dem Bulldog ist es zu verdanken,
dass die Produkte dieser Kreuzungen ihre Menschenfreundlichkeit und
Menschenbezogenheit beibehielten und auch weitervererbten.
Getestet wurden diese Hund in der «Pit», einer kleinen Arena, in der es
galt, Ratten in kürzester Zeit zu töten, oder im Kampf gegen Dachse oder
Hund gegen Hund zu reüsieren. 1835 wurden diese abscheulichen Tierkämpfe
verboten!
Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges 1865 wanderten viele
Arbeiter aus den englischen Ballungszentren in die neue Welt aus, um
dort ihr Glück zu versuchen. Was lag näher, als auch den nützlichen und
anhänglichen Vierbeiner mitzunehmen.
Nach Meinung von AmStaff Experten in den USA, haben einige Einwanderer,
welche ihre Bull-and-Terrier zum Bewachen von Haus, Hof, Familie und
Vieh benötigten, schon bald begonnen ihre Hunde grösser zu züchten.
Damit verbesserten sie die Überlebenschancen ihrer Hunde im Kampf gegen
Wölfe und Kojoten. Zu diesem Zweck wurden gezielt grosse Zuchttiere
ausgesucht oder eventuell sogar Airdale oder Irish Terrier eingekreuzt.
Bei aller Wehrhaftigkeit gegen unerwünschte Eindringlinge waren diese
Hunde aber für ihre Familie und Freunde verlässliche, liebevolle
Hausgenossen. Das also, was den AmStaff von heute immer noch
auszeichnet.
Kaum eine andere Hunderasse hatte in ihrer Entstehungsgeschichte so
viele verschiedene Namen wie der American Staffordshire Terrier. Einige
Beispiele sind: Half and Half, Bull and Terrier, Brindle Bull Dog,
Yankee Terrier, American Bull Terrier oder Staffordshire Terrier.
Der Weg bis zur offiziellen Anerkennung durch den 1884 gegründeten AKC
(American Kennel Club) war schwierig. Erst 1936 anerkannte der AKC die
Rasse unter dem Namen Staffordshire Terrier und der heute noch gültige
Standard wurde beim AKC deponiert.
Als 1974 der AKC den Staffordshire Bull Terrier aus England offiziell
anerkannte, wurden die Verantwortlichen des STCA (Staffordshire Terrier
Club of America) gebeten den Namen in American Staffordshire Terrier
abzuändern, um weitere Verwechslungen zu vermeiden.

Allgemeines:
Eigenschaften und Wesen dieser erstaunlichen Hunde lassen sich am Besten
durch ihre früheren Lebensumstände erklären. Sie waren, wie ihre
Besitzer in dieser Zeit, Schwerstarbeiter. Die Menschen in den Fabriken
oder auf den Feldern, der Bull and Terrier in der Pit.
Trotz grösster Schmerzen, welche diese tapferen Hunde ertragen mussten,
wendeten sie sich nie gegen ihre «menschlichen» Peiniger. Sie lebten
damals zusammen mit den vielköpfigen Familien in äusserst primitiven,
beengten Verhältnissen, oder als Hofhunde auf ärmlichen Farmen. Sie
waren die Freunde und Spielkameraden der Kinder und besorgten sich, wenn
es sein musste, ihr Futter (in Form von Ratten oder Mäusen) selber.
Noch heute ist die starke Zuneigung und Bindung des American
Staffordshire Terrier zu «seiner» Familie sprichwörtlich und dies im
besonderen Masse Kindern gegenüber. Die hohe Empfindsamkeit und
Sensibilität gegenüber «seinem Rudel» ist der Grund, dass er Situationen
instinktiv richtig erfasst und gegebenenfalls eingreift. Meist genügt
die Anwesenheit eines AmStaffs, um zweifelhafte Gestalten von ihrem
unlauteren Vorhaben abzuhalten. Geprägt durch seinen genetischen
Hintergrund ist es verständlich, dass er anderen Hunden gegenüber ein
eher dominantes (nicht zu verwechseln mit agessivem!!!) Auftreten
hat, und sich nicht ungestraft provozieren lässt. Die Ausstrahlung
seiner gelassenen Stärke wirkt auf andere Hunde oft bedrohlich, und es
kommt nicht selten vor, dass der AmStaff von unsicheren Hunden
angefeindet wird.
Der American Staffordshire Terrier ist ein lebhafter, dynamischer
Hund und seinem Bewegungsbedürfnis muss regelmässig Rechnung getragen
werden. Er ist kein Hund für faule oder unsportliche Leute. Er will,
dass man ihn körperlich und mental fordert, sich mit ihm beschäftigt.
Ist dies nicht der Fall, kann es durchaus vorkommen, dass er seinem
Bewegungsdrang selber Luft macht, indem er losprescht und rasante Runden
durch die ganze Wohnung dreht -- und das durchaus mit 10--20
Wiederholungen. Nach diesem Parcours lässt er sich dann, selbstgefällig
und mit breitem Grinsen völlig wohlig, am Ausgangspunkt fallen. Das mag
sehr amüsant klingen, bedingt aber absolut frei Bahn, denn alles was
sich in den Weg stellt, zum Beispiel Bodenvasen, Topfpflanzen, Figuren
und Nippes werden sonst umgemäht.
Die Sprungkraft eines AmStaffs ist gewaltig und ganz besonders dann,
wenn es gilt, den eigenen Gartenzaun zu überqueren. Andererseits ist
auch das Graben im Repertoire eines American Staffordshire Terriers
genetisch verankert, denn Terrier kommt von Terra (Erde), und ist
gleichbedeutend wie "in der Erde arbeitender Hund". Die Mindesthöhe für
eine sinnvolle, ausbruchsichere Umzäunung liegt bei 180 cm, welche im
Boden gut verankert oder einbetoniert sein sollte.
Es ist unumgänglich diese Kraftpakete adäquat zu beschäftigen.
Alle Arten von Hundesport sind dazu geeignet, angefangen bei Agility,
Flyball, Obedience, Begleithund, Sanitäts- und Katastrophenhund bis hin
zum Therapiehund. Welpenspielstunden sind bei dieser Rasse ein
absolutes Muss. Anerkannte, rassenkundige Experten raten allerdings
einstimmig von der Schutzhundarbeit mit American Staffordshire Terrier
ab.
Eine weitere Besonderheit dieser Rasse ist die Suche nach dem
Blickkontakt mit den Menschen. Ein fast unbegrenztes Repertoire an
Mimikvarianten ist nicht nur lustig und amüsant, nein, es ist oft der
Schlüssel damit AmStaff erreicht -- was AmStaff gerne möchte. In solchen
Momenten liebevoll aber unbedingt konsequent zu bleiben ist die grosse
Kunst bei der richtigen Erziehung des American Staffordshire Terrier.
Quelle: ASTC Schweiz |