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Autor:SLIMMISTER
Liebling oder Monster
Die sogenannten „Kampfhunde“ in der Diskussion
Seit einigen Jahren kann man sie immer wieder lesen, die Schlagzeilen
über die wilden Bestien, die Monster, die bösen Killer und die
Kampfmaschinen.
Abgedruckt in fetten Lettern, fast ausschließlich als Aufreißer der
ersten Seite in der Tagespresse. Dazu natürlich - wenn möglich in
„naturnahen Farben“ - die Bilder ihrer Opfer. Auch vor solch unseriö-sen
und ausschließlich subjektiven „vorher“ und „nachher“ - Bildern, wie sie
eigentlich sonst nur die Kosmetikindustrie verwendet, scheuen einige der
Zeitungsverlage und besonders die aktuellen Maga-zine der
Fernsehanstalten schon lange nicht mehr zurück.
Da heißt es dann z. B. und wird natürlich entsprechend dokumentiert: „So
sah das Opfer vor dem Überfall aus und mit diesen Entstellungen muß es
jetzt durch´s Leben gehen!“ Bilder und Berichte der Menschen und Tiere,
welche Opfer von Attacken sogenannter „Kampfhunde“ geworden sind.
Wir sind genauso erschüttert über derartige Überfälle und empfinden
großes Mitgefühl für diese wirk-lich bedauernswerten Opfer. Und dabei
spielt es kaum eine Rolle, ob das Opfer ein Mensch oder ein anderes Tier
war!
Doch gerade die voran genannte Form der Berichterstattung über dieses
Thema schafft nicht etwa eine sachliche Diskussion darüber. Sie ist
maßgeblich dafür verantwortlich, daß es auf der einen Seite lautstarke
Äußerungen in Richtung der „Ausrottung“ solcher Hunderassen gibt und auf
der anderen Seite Halter dieser Rassen, die es geradezu als einen
Modetrend anzusehen scheinen, wenn ihr Hund zu diesen „gefürchteten
Rassen“ gehört und sich dann auch noch entsprechend verhält, wie es die
breite Öffentlichkeit ja schließlich erwartet.
Dazwischen stehen dann jene Hundehalter mit ihren „Kampfhunderassen“,
die immer wieder lesen und hören müssen, was sie doch eigentlich für ein
gefährliches Tier im Haus haben.
Verspielt, ausdauernd in seinen Aktivitäten, gehorsam, friedfertig,
familien- und vor allem kinder-freundlich, so präsentieren und verhalten
sich diese Rassen bei den Haltern, die verantwortungs- und liebevoll mit
ihren Hunden umgehen. Diese Halter berücksichtigen die natürlichen und
artgerechten Bedürfnisse ihres vierbeinigen Hausgenossen.
Aber wie und wo soll man die Diskussion zu diesem Thema richtig
ansetzen? Eine Patentlösung gibt es ganz sicher nicht. Das sehen wir
allein schon daran wie die Politik mit diesem Thema umgeht. Zur Zeit
gibt es in den einzelnen Bundesländern zum Teil recht unterschiedliche
Verordnungen und Ge-setze dazu, einige Bundesländer haben noch überhaupt
keine Regelung.
Aber eines ist sicher, eine bundesweite Regelung dazu muß her, denn an
die „Vernunft“ bestimmter Menschengruppen zu apellieren ist müßig und
wie die Vergangenheit in anderen tierschutzrelevanten Fragen zeigt,
meist aussichtslos.
Also was muß zukünftig geschehen??? - Höhere Hundesteuer für
„Kampfhunderassen“?
Sehen wir uns das Ergebnis in den Bundesländern an, die diese Regelung
eingeführt oder auch nur als Gesetzentwurf geplant haben, so zeigt uns
das nur eines. Jene, die solche Hunde als Statussym-bol halten oder sie
abrichten und auch zu Hundekämpfen verwenden, machen weiter wie bisher.
Denn die Gewinne, die solche Hundehalter mit illegalen, sogenannten
Kellerzuchten und Hundekämpfen machen, decken auch eine höhere
Hundesteuer spielend ab.
Die verantwortungsvollen Halter und Liebhaber dieser Tiere jedoch können
sich eine bis zum zehnfa-chen höhere Hundesteuer nicht mehr leisten. Ein
großer Teil muß sich dann schweren Herzens von seinem Liebling trennen.
Gerade in den Tierheimen dieser Städte und Gemeinden, ist die
Belegdichte allein mit solchen Hunde-rassen als dramatisch hoch
anzusehen (Berlin 70, Frankfurt 55, Hamburg 50 Tiere). Die
Vermittlung-schancen sind dementsprechend niedrig.
Also doch eine langsame „Ausrottung“ dieser Rassen, die ursprünglich
einmal zu ganz anderen Zwek-ken gezüchtet wurden? Hunde, die z. B. in
den USA bei geistig und körperlich behinderten Kindern zu
Therapiemaßnahmen eingesetzt werden und mit denen dadurch große Erfolge
erzielt werden!
Wir meinen, man sollte langsam wieder auf den Boden der Tatsachen
zurückkehren und die „Spreu vom Weizen“ trennen. Das Thema nicht etwa
unter den Tisch kehren oder beschwichtigen, sondern mit Hilfe der Medien
und unsere Volksvertreter dafür sorgen, daß eine sachliche Diskussion
darüber geführt und ein einheitlicher Konsens im Sinne und zum Wohle
dieser Rassen gefunden wird.
Unsere Vorschläge dazu wären:
1. Die auf den Listen der einzelnen Bundesländer als sogenannte
Kampfhunde geführten Rassen bundesweit vereinheitlichen und auch nur
jene, die tatsächlich als solche zu bezeichnen sind, auf-zuführen.
2. Einheitliche Haltegenehmigungen und/oder Halteverbote für diese
Rassen.
3. Zucht-, Handels- und Einfuhrverbot, verbunden mit hohen Geldstrafen,
für besonders überzüch-tete oder Mischlinge dieser Rassen, soweit diese
mehrheitlich auffällig geworden sind.
4. Nachweis über die Unauffälligkeit des Hundes, ein sogenanntes
Negativgutachten erstellt von einem dafür bestellten Gutachter oder
einer anerkannten Hundeschule, muß dem jeweiligen Ord-nungsamt der
Stadt/Gemeinde, in der dieser Hund hauptsächlich gehalten wird,
unaufgefordert bei Anmeldung zur Hundesteuer vorgelegt werden.
5. Eine leicht erhöhte Hundesteuer für die aufgeführten Rassen, die den
Hund jedoch nicht dadurch zu einem Luxusartikel oder Statussymbol werden
läßt, sondern ähnlich einem anderen „Liebha-berstück“ bewertet wird. Ein
„Aufschlag“ von z. B. 50% auf die normale Hundesteuer pro Jahr
er-scheint dabei akzeptabel.
Aber als wichtigster Punkt und Grundvoraussetzung sollte vor der
Erstellung einer solchen Liste eine andere gesetzliche Grundlage
geschaffen werden:
Wer einen Hund hält oder halten möchte, sollte darüber zunächst einen
sogenannten Befähigungs-nachweis vor der zuständigen Stelle (z.B.
Ordnungsamt, Tierschutzverein) erbringen. Dieser sollte sich nicht nur
auf die voran genannten, sondern auf alle Hunderassen beziehen.
Dieser Nachweis sollte sich aus zwei Teilen, einem praktischen und einem
theoretischen, zusammen-setzen.
In der Theorie (mündlich oder schriftlich) sollen z.B. Fragen über die
natürlichen und artgerechten Bedürfnisse und die damit im Zusammenhang
stehende Haltung, Fütterung und sonstige Versorgung beantwortet und nach
einem Punktsystem bewertet werden. Erst danach erhält man die
Genehmigung zum Halten eines Hundes.
In der Praxis demonstriert man dann nach der Vorgabe bestimmter
Aufgaben, den richtigen Umgang mit seinem Hund und wird ebenfalls nach
einem Punktsystem bewertet. Im Bedarfsfall muß die Prüfung wiederholt
werden. Zu diesem Zweck könnten die Behörden z.B. bestimmte Hundeschule
dafür zulassen eine solche Prüfung abzuhalten und zu bescheinigen.
Auch wenn unsere Anregungen sicher nicht bei allen gleichermaßen Anklang
finden, so meinen wir aber, daß man sie zumindest überdenken sollte.
Sieht man sich die Aufgaben und die Arbeit eines Tierschutzvereines
einmal genauer an, so ist man sogar dazu geneigt, eine solche Prüfung
und Genehmigung von jedem zu verlangen, der ein Tier, egal welcher Art
oder Rasse, hält oder halten möchte. Aber obgleich wir Tierschutzvereine
fast täglich mit dem Leid unserer Mitgeschöpfe konfrontiert werden,
sollten wir bei all unseren Emotionen, die wir dafür empfinden, nicht
vergessen sachlich und objektiv zu bleiben. Menschenhaß und Hysterie
helfen uns dabei ganz sicher nicht, unsere „Sache“ nicht nur zu
vertreten, sondern auch der breiten Öffent-lichkeit zu vermitteln.
Vielleicht ist es für manchen von uns hilfreich, wenn er/sie sich darauf
besinnt, daß auch wir „nur“ eine Art im zoologischen System sind, die
keiner anderen Art übergeordnet ist und in direkter Verwandt-schaft mit
Gorilla und Schimpanse steht. (gl)
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